Digitaler Nachlass: Online-Konten für den Ernstfall regeln
E-Mail, Fotos in der Cloud, Abos, Online-Banking: Was passiert damit, wenn wir sterben oder schwer krank werden? Mit einer einfachen Vorsorge ersparst du deinen Angehörigen viel Arbeit und Kosten.
Aktualisiert am 5.11.2026 · 2 Min. Lesezeit
Warum das wichtig ist
Ein großer Teil unseres Lebens steckt heute in Online-Konten: Erinnerungen in Fotodiensten, Verträge im E-Mail-Postfach, laufende Abos, Guthaben bei Bezahldiensten. Fehlt jede Vorsorge, stehen Angehörige vor verschlossenen Türen – und Abos laufen weiter, während niemand sie kündigen kann. In Deutschland hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden, dass Online-Konten grundsätzlich vererbt werden wie Briefe und Tagebücher. Den Zugang zu finden, bleibt ohne Vorbereitung trotzdem schwer.
Schritt 1: Eine Übersicht anlegen
Schreibe auf, welche Konten du hast – ohne Passwörter in die Liste zu schreiben:
- E-Mail-Konten (das wichtigste, weil sich darüber viele andere Passwörter zurücksetzen lassen)
- Online-Banking, Bezahldienste, Kryptowährungen
- Cloud-Speicher und Fotodienste
- Soziale Netzwerke und Messenger
- Abos und Verträge (Streaming, Software, Zeitungen, auch dein VPN)
- Online-Shops mit Guthaben oder gespeicherten Zahlungsdaten
Lege fest, was mit jedem Konto passieren soll: löschen, in einen Gedenkzustand versetzen, Daten sichern oder an eine Person übergeben.
Schritt 2: Den Zugang sicher regeln
- **Passwort-Manager:** Viele Passwort-Manager bieten einen Notfallzugang, über den eine Vertrauensperson nach einer Wartezeit Zugriff bekommt. Das ist meist die sicherste Lösung.
- **Versiegelter Umschlag:** Alternativ das Master-Passwort oder die wichtigsten Zugänge auf Papier, verschlossen und gut aufbewahrt – zum Beispiel beim Notar oder bei den Unterlagen fürs Testament.
- **Zwei-Faktor-Anmeldung nicht vergessen:** Ohne Handy oder Sicherheitsschlüssel kommt niemand ins Konto. Lege fest, wo Wiederherstellungscodes liegen.
Schritt 3: Eine Vertrauensperson bestimmen
Benenne eine Person, die sich um deinen digitalen Nachlass kümmert, und gib ihr eine schriftliche Vollmacht, die über den Tod hinaus gilt. Sprich mit ihr über deine Wünsche – zum Beispiel, welche Fotos die Familie bekommen soll und was gelöscht werden darf.
Schritt 4: Funktionen der Dienste nutzen
Einige große Plattformen bieten eigene Einstellungen für den Todesfall: Kontakte, die nach längerer Inaktivität benachrichtigt werden, oder Gedenkzustände für Profile. Schau in den Konto-Einstellungen deiner wichtigsten Dienste unter Stichworten wie „Nachlass“, „Inaktivität“ oder „Gedenkzustand“ nach.
Für Angehörige: Was jetzt zu tun ist
- Zuerst Abos und laufende Verträge kündigen – meist reicht eine Sterbeurkunde.
- Das E-Mail-Postfach hilft, Verträge und Konten zu finden.
- Konten nicht einfach mit gefundenen Passwörtern nutzen, wenn kein Erbnachweis vorliegt – im Zweifel den Anbieter mit Sterbeurkunde und Erbschein kontaktieren.
- Vorsicht vor Betrügern, die Todesanzeigen lesen und mit gefälschten Rechnungen Geld fordern.
Regelmäßig aktualisieren
Prüfe die Übersicht einmal im Jahr: Neue Konten aufnehmen, gelöschte streichen. Unser Ratgeber „Alte Konten aufräumen“ hilft, die Liste kurz zu halten.
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